Viele Experten sehen Parallelen zwischen der heutigen Situation und der Großen Depression von 1929. Aber der Vergleich hinkt. Die aktuelle Wirtschaftskrise ist weniger mit der Großen Depression von 1929, sondern vielmehr mit dem Zusammenbruch von 1873 vergleichbar.

1929 kollabierte die Wirtschaft wegen überfüllter Lager, des Aktienmarkt-Crashs und der Unfähigkeit Deutschlands, die horrenden Kriegsschulden zu begleichen. Das führte zu einer steigenden Belastung der britischen Goldreserven. Keiner dieser Punkte ist aktuell von Bedeutung.

Die Krise von 1873 hingegen dauerte vier Jahre und war von Problemen geprägt, die an die derzeitige Lage
erinnern. Es begann in Europa im Jahr 1870. In der österreichisch-ungarischen Monarchie, in Preußen und Frankreich unterstützten die Herrscher Verleihanstalten, die Hypotheken für den Bau von öffentlichen Gebäuden
vergaben. Im Mai 1873 brach das System zusammen, nachdem klar geworden war, dass das erwartete Wirtschaftswachstum viel zu optimistisch eingeschätzt worden war. Als zentraleuropäische Banken kollabierten,
hielten britische Institute ihr Kapital zurück. Die Kosten für das Leihen von Geld, die Interbankraten, explodierten.
Im September lag der Aktienmarkt am Boden.

Zurück ins 21. Jahrhundert. 2001 wurden Kredite an Hauskäufer vergeben, die sich die Raten für die Hypotheken kaum in den besten Zeiten leisten konnten. Immobilien-Spekulanten übernahmen sich, Schulden wurden in komplexe
Wertpapiere verpackt. 2007 wurden mehr als zwei Millionen Liegenschaftspfändungen angemeldet. Schon damals waren bereits Billionen von USD in diesem Kreditderivate-Markt investiert. Die Lehren aus der Krise von 1873? Wenn die Banken an der Wall Street scheitern, dann müssen das nicht nur die Finanzmärkte rund um den Globus für eine lange Zeit ausbaden. Der langwierige Wiederaufbau der Banken führt auch zu einer stark steigenden Arbeitslosigkeit.

Nach 1873 hat sich die Schwerkraft der Weltkreditwirtschaft westwärts verlagert, von Europa in die Vereinigten Staaten. Die aktuelle Krise zeigt eine weitere Verschiebung in dieselbe Richtung: von den USA nach China und Indien.

Quelle: Superfund, Trend, New York Times

1 Kommentar

Franz Denifl · Oktober 13, 2009 um 5:33 am

Hier zählt wirklich jede Meinung – super

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