Wir schreiben das Jahr 2018. Es ist das Zeitalter der Moralapostel. Früher waren es Kirche und Könige die uns sagten, was gut oder falsch ist. Heute sind es jene, die ihre Empörung besser und medial lauter platzieren können. Empörung über die Haltung der Anderen, die nicht der Eigenen entspricht.

Medial wird man täglich konfrontiert mit den heute geltenden Moralnormen. Es ist die gewöhnliche Einordnung in gut und böse. Schwarz und weiß. Das macht die Sache einfacher, denn dann muss man sich nicht mit dem Komplexen dahinter auseinandersetzten. Meinungsdiktate begleiten unser Dasein schon immer. Heute herrscht das Diktat der politisch Korrekten. Immerhin schießen die nicht mit scharfer Munition sondern nur mit gesellschaftlicher Ächtung.

Ein neues Beispiel dieser Kaste? Der so smarte Bürgermeister von Graz, Siegfried Nagl, hat eine Historiker-Kommission unter der Leitung von Stefan Karner und Karin Schmidlechner beauftragt, die Grazer Straßennamen zu durchleuchten. Es galt jene zu finden, die böse sind. Du lachst über diesen naiven Zugang? Ich auch.

Durchführen kann dieses gewagte Vorhaben nur ein edler Ritter. Wer den Lebensweg von Stefan Karner kennt, der weiß, dafür gibt es keinen Bessern. Also durfte sich die moralische Instanz Stefan Karner mit erhobenen Zeigefinger mit Namenslisten durch die Geschichte wühlen. Ach, wie muss er das genossen haben. 793 personenbezogenen Straßennamen galt es zu durchleuchten. Vier Jahre hat er und etliche weitere Historiker benötigt, um einen Abschlussbericht zu erstellen, der 1000 Seiten lang ist. Was ist dabei raus gekommen? Nicht viel. Und dann doch die Überraschung: 20 Straßennamen sind als „als sehr problematisch einzustufen sind“ so Karner. An was er das bemisst? Natürlich an sich selbst, denn Karner ist auf der Seite der „Guten“.

So liest man durch die Namen und muss sich unweigerlich am Kopf kratzen. Massenmörder, Kinderschänder oder Kriegsverbrecher findet man dort vergeblich. Von Franz Conrad von HötzendorfFriedrich Ludwig Jahn oder Ottokar Kernstock ist die Rede. Die drei genannten Herren verdammt Stefan Karner z.b. mit der Begründung „Kriegstreiber“ oder „Deutschnationaler“ gewesen zu sein. Für uns Unwissende ist das natürlich unverständlich, wie jemand im Zeitalter des Nationalismus „Deutschnationaler“ sein konnte. Stefan Karner selbst wäre sicherlich damals schon für eine Schwulenbewegung und für das korrekte Gendern eingestanden.

Wer Geschichte verstehen möchte, kommt unweigerlich nicht umhin zu akzeptieren, dass Moral, Werte und Normen nichts Absolutes sind. Sie ändern sich. Was heute gut ist, kann von der Generation morgen wieder als schlecht befunden werden. Ich bin mir sicher, dass Stefan Karner als leuchtendes Beispiel über diesen Gesetzen steht.

Und so lachen die werten Herren und Damen dann in die Kamera, wohl wissend, dass der zweite Herr von links (Nagl) gerade die fürstliche Pension von Herrn Karner (der Herr ganz links) und Frau Karin Schmidlechner finanziert hat. Alle Bürger der Stadt Graz sagen dafür gerne danke, die dürfen nämlich zahlen.

Kategorien: Gesellschaft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.