Der Titel ist ganz bewusst angelehnt an das Thema des Tages „Im Kreml wächst Zorn auf Assad“ in der Kleinen Zeitung vom 7. April 2017. Denn dieser Artikel war Stein des Anstoßes dieses Textes.

Ziel dieses Artikels

Es gilt aufzuzeigen wie in Westeuropa Meinung bzw. Wahrheit gemacht wird durch Medien.

Desweiteren wird gezeigt, wie weit sich heutiger Tagesjournalismus von den Kriterien des guten Journalismus – unabhängig, kompetent, kritisch, fair – entfernt hat.

Meinungsmanipulation am Beispiel der Assad-Berichterstattung

So schrieb Martin Gehlen im Artikel „Im Kreml wächst Zorn auf Assad“ der Kleinen Zeitung vom 7. April 2017:

„Die westlichen Vetomächte fordern vom UN-Sicherheitsrat, den Giftgasangriff zu verurteilen und die Verantwortlichen zu ermitteln. Russland dagegen deckt das Regime in Damaskus, das den mörderischen Angriff ausgerechnet zum Auftakt der Geberkonferenz in Brüssel befahl“

Diese 2 Sätzen verraten schon alles Kommende:

  1. Feststellung einer Wahrheit ohne Beweise: Assad hat den Giftgasangriff befohlen. unabhängig, kompetent, kritisch, fair
  2. Aufteilen der Akteure in Gut in Böse: westlichen Vetomächte sind die Guten, Russland und das „Regime in Damaskus“ sind die Bösen. unabhängig, kompetent, kritisch, fair

 

 

Dann holt Martin Gehlen zum intellektuellen Hauptakt aus: „Warum aber befiehlt Assad einen solchen provokanten Giftgaseinsatz?“

„Wie schon bei dem Sarin-Massaker 2013 in Ghuta geht es Damaskus vor allem um eines: Zu demonstrieren, dass der Bruch humanitärer Tabus ohne Folgen bleibt und sich fundamentale internationale Normen heutzutage ohne Probleme durchlöchern lassen“

Und spätestens jetzt werden einem die Plomben locker: das sollen die Motive Assads sein? Ich schaue auf das Datum der Zeitung an – 7. April und nicht 1. April, also scheint es sich um den Versuch einer ernsthaften Berichterstattung zu handeln. Geht’s noch? unabhängig, kompetent, kritisch, fair

Dabei ist Martin Gehlen, nicht irgendjemand, sondern Nahost-Korrespondent der damenhaften deutschsprachigen Presse (Zeit, Frankfurter Rundschau oder Tagesspiegel). Wer Fassbomben einsetzt, setzt natürlich auch Giftgas ein – oder gibt es sonst noch Beweise? Nach dieser Logik müssten die Amerikaner wohl Atombomben einsetzten, da sie Vietnam mit Napalm in bunter Menge beglückten.

Erstaunt über solchen Stumpfsinn habe ich meine Meinung mit Bekannten geteilt und musste zum entsetzen Feststellen, dass diese daran nichts Anstößiges fanden. Ganz im Gegenteil diese Berichterstattung passte genau in ihr Weltbild. Vollendete Meinungsmanipulation.

Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit

Dieser Satz ist wahr und unumstößlich. Die Wahrheit ist auch nicht das was ich erwarte. Was ich erwarte, sind selbstständich denkende Menschen, dir kritisch hinterfragen, was sie vorgeworfen bekommen. Ich weiß über die Wahrheit dieses Vorganges wahrscheinlich genau so wenig wie Martin Gehlen. Was mir bleibt ist den besagten Text mit meinem kritischen Hausverstand zu hinterfragen. Dieser stellt zuerst folgende Frage: Wer profitiert am Meisten von diesem Vorfall, wer hat den größten Nachteil.

So betrachtet, sieht plötzlich Welt ganz anders aus. Assad zieht aus einem solchen militärisch unbedeutenden Angriff so gut wie keine Vorteile, sondern nur riesige Nachteile. Welche das wären? Da weiß ich gar nicht wo anzufangen ist. Vielleicht bei der politischen Ächtung? Bei der Brisanz die sein Bündnis mit Russland nun bekommt etc etc

Schauen wir doch mal wer sonst von diesem Vorfall profitieren könnte.

Da wären einmal zwei Prominente die Assad Sturz wollen:

  • Die „guten“ fundamentalistischen Rebellen: natürlich, damit wird deren Opferrolle moralisch extrem aufgeladen.
  • Was gut ist für die USA, die die Rebellen unterstützen: jetzt ist wieder alles erlaubt – kennen wir doch dieses Spiel. Siehe Geschichtskapitel „Massenvernichtungswaffen im Irak“. Was damals wohl Martin Gehlen geschrieben hatte? Ich kanns mir vorstellen….

 

Vereinfacht werden muss… sonst versteht es keiner

Der Syrienkonflikt ist viel zu komplex für den westlichen Wohlstandsbürger, der seine Zeitung in 5 Minuten durchgelesen haben möchte. Ja, das ist leider richtig. Trotzdem darf eine solche minderwertige Reportage nicht gedruckt werden. Je weiter wir uns von den journalistischen Prinzipien: unabhängig, kompetent, kritisch, fair entfernen, desto mehr wird das Licht der Lügenpressen leuchten. Und das dann sogar mit Recht.

Kategorien: Gesellschaft

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